Achtsamkeitsritual: Tourist in der eigenen Heimat

Achtsamkeitsritual: Tourist in der eigenen Heimat
Edit: 29.10.2016
Tellyventure rief zu einer Blogparade auf und stellte die spannende Frage: „Was bedeutet ‚HEIMAT‘ für dich?“

Hast du dich schon mal gefragt, was Heimat wirklich für dich bedeutet? Wie sie sich anfühlt oder was du deinen Kindern später darüber erzählen wirst? Fragst du dich auch manchmal, woher du eigentlich kommst oder wo du Zuhause bist?

Da sich das hervorragend mit meinem Achtsamkeitsritual verbinden lässt, habe ich diesen Beitrag ergänzt. Viel Spaß beim Lesen!

Achtsamkeitsritual:
Tourist in der eigenen Heimat

Ich reise viel. Wandere noch viel mehr.
Aber meine direkte Umgebung kenne ich eigentlich gar nicht. Der Weg zum Bäcker läuft sich praktisch blind, auf meinen Arbeitsweg achte ich schon lange nicht mehr und fragt mich jemand, wo sich Straße X in meinem Ort befindet, weiß ich das im Normalfall nicht.

Meine Heimat ist so vielfältig, dass ich gar nicht dazu komme, sie genauer kennenzulernen.

Doch lass mich erst ein wenig ausholen…

Was bedeutet ‚Heimat‘ eigentlich?

„Ich ziehe in eine neue Heimat.“
„Dieses Land wird ab jetzt meine Heimat sein.“

Nach meiner Definition legen wir nicht irgendwann irgendwo fest: Das ist jetzt meine Heimat.

Für meine Mutter bedeutet Heimat etwas anderes als für mich.
Für sie ist es der Ort, an dem sie geboren und aufgewachsen ist, aber nicht der, an dem sie den Großteil ihres Lebens verbracht hat.

Für dich bedeutet Heimat vielleicht wieder etwas Anderes.

Das, was ich als ‚Heimat‘ bezeichne, ist weniger ein bestimmter Ort, denn ein Lebensraum, der das Gefühl von Freiheit in mir weckt.
Es ist das Wissen, meinen Tag selbst gestalten zu können, spontan umplanen zu dürfen und niemandem Rechenschaft ablegen zu müssen.
Durchzuatmen.

Die Begriffe Heimat und Freiheit gehen Hand in Hand für mich.

Heimat ist…

Wo es Berge gibt, fühle ich mich zuhause.

Die Alpen; generell Berge sind für mich ein Synonym für Heimat. Ein jeder Gipfel macht mich ein Stückchen vollständiger; glücklicher.
Wo es Berge gibt, fühle ich mich zuhause. So einfach ist es.
(Ja, ich bin leicht zu begeistern. Setz‘ mir einen Berg vor die Füße, dann mag ich dich!)

Heimat ist aber noch viel mehr.

Heimat
… war das winzig kleine Apartment in Tokyo, in dem kaum mehr Platz hatte als zwei Futons.
… ist die Küche meiner Schwester, wo ein knisternder Ofen uns wärmt, während wir an selbstgemixten Cocktails nippen.
… war die erste Wohnung meiner Freundin in Köln, in der wir kaum Platz, aber trotzdem so viel Spaß hatten.
… genauso wie die Wohnung einer anderen Freundin in Berlin, bei deren Familie ich mich immer willkommen fühle.
… ist das Feld, das an den Hof meiner Eltern angrenzt und von einer einzigen, uralten Eiche geschmückt wird, unter der ich als Kind so oft saß.
… ist aber auch die Gegend, in der ich lebe – Oberbayern.

Die Liste ließe sich noch ewig weiterführen.

Vielleicht warst du bisher immer davon überzeugt, keine Heimat zu haben.
Vielleicht hilft dir aber das nachfolgende Ritual dabei, das zu ändern.

Achtsamkeitsritual: Tourist in der eigenen Heimat

„You live here!“

Wir sind so gefangen in unserer alltäglichen Routine, dass wir unsere Umgebung nicht mehr wahrnehmen.
Kein Wunder, dass Achtsamkeit immer wichtiger wird.

Richtig die Augen geöffnet wurden mir Ende Juni. Es war Besuch aus dem Hohen Norden angereist und ich hatte mir einen heißen Mittwoch spontan freigenommen.

Einen ganzen Tag lang spielten wir Tourist in der eigenen Heimat.

Wir liefen einfach drauf los; durch Gassen, über Brücken; an unzähligen tollen Restaurants, Cafés und Gärten vorbei; kehrten ein, wo es uns gefiel und machten es uns später am See gemütlich.

Ich war ehrlich geschockt, dass ich keinen dieser Flecken je wahr genommen hatte; ja größtenteils nicht einmal kannte.

Mein Freund aus Finnland brachte es auf den Punkt:

Why didn’t you visit all those places before? You live here!

Was soll ich sagen. Er hat vollkommen recht.
Wir haben hier quasi ein Naherholungsparadies vor der Haustür – Menschen aus ganz Deutschland, ja, Europa, verbringen ihre Urlaube hier – aber wir nicht.

Mir war das Ganze unwahrscheinlich peinlich. Ich konnte ihm nicht erklären, wieso das so ist.
Zu sehr im Hamsterrad namens Routine? Bestimmt.
Zu faul, um überhaupt auf Entdeckungstour zu gehen? Ja, auch.

Du merkst schon, bei mir hat das einen Nerv getroffen.

Seither bin ich total angefixt, mehr „Urlaub dahoam“ zu machen.

Und dass mir das auch noch richtig gut tut, merke ich daran, wie viel aufmerksamer ich geworden bin – und wie viel mehr Spaß es macht, auf Entdeckungsreise in meiner nahen Umgebung zu gehen.
Es ist quasi ein Achtsamkeitsritual, das sich ohne großen Aufwand zelebrieren lässt.

Die benefits daraus, so wie ich sie erlebe, habe ich hier für dich zusammengefasst.

Achtsamkeitsritual: Tourist in der eigenen Heimat

Du nimmst deine Umgebung wieder besser wahr

Das ist ein wichtiger Punkt beim Thema Achtsamkeit. Wahrnehmen, ohne zu bewerten.
Letzteres streichen wir hier einmal ganz frech, denn hey, du darfst und sollst ausflippen, wenn du einen genialen neuen Shop, das Café mit dem besten Espresso der Stadt oder diesen winzig kleinen See, dessen Wasser so klar ist, dass du bis auf den Grund sehen kannst, entdeckst.

Selbst altbekanntes auf unserem täglichen Arbeitsweg kann Neues bieten. Wenn du genauer hinschaust.
Mir ist neulich zum Beispiel aufgefallen, dass ein Trampelpfad durch den Wald verläuft, durch den ich jeden Tag fahre. Irgendwann will ich diesen Pfad erkunden gehen.

Betrachte einen, unbekannten-bekannten Ort doch mal so, als würdest du ihn nicht kennen.
Auch das kann ein Gefühl von Heimat in dir erwecken.

Und, was hast du entdeckt?

Heute spontan, morgen geplant

So sehr ich eine gewisse Alltagsroutine (wie z.B. durch meine Morgenrituale) schätze, fremde Orte wollen entdeckt werden. Spontan.

Heute da, morgen dort, übermorgen wieder dahin, wo wir gestern schon die Gesichter in die Sonne streckten.

Genau das praktiziere ich immer mehr auch auf meinen Reisen. Mein Ziel ist es, das auch in meinen Alltag zu integrieren.

Wenn dir Spontanität – so wie mir – eher schwerfällt, fang klein an.

  • Gehe zu Fuß anstatt mit der Straßenbahn zu fahren.
  • Biege eine Straße früher ab als deine gewohnte Routine.
  • Reserviere im Sushi-Lokal zwei Blocks weiter, anstatt immer in dasselbe zu gehen. Die Chance ist gegeben, dass es noch besser schmeckt (und wenn nicht – vielleicht gibt es noch Weitere japanische Restaurants zu entdecken!).

Auf zur Schatzssuche – nach neuen Lieblingsorten

Das ist eines der Dinge, die ich am Reisen so liebe: Neues entdecken, sich vollkommen treiben lassen. Einfach loslaufen, irgendeine vermeintlich falsche Abzweigung nehmen, „weil es in diesem Gässchen so hübsch aussah“ und plötzlich an Orte kommen, die man weder erwartet noch erträumt hätte.

Warum das also nicht auch zuhause einmal versuchen?

Wenn du auch so viel Spaß an der Recherche neuer Lokale oder Geschäfte hast, dann hopp hopp, Google Maps geöffnet, den gewünschten Ort eingeben und einfach mal gucken.
Welche Läden gibt es wo, welche Cafés oder Parks; welche Haltestellen liegen in der Nähe deines Ausgangspunktes?

Das Kind in dir tritt zum Vorschein

Das mag übertrieben klingen, aber ich habe mich während dieser kleinen Alltagsfluchten genau so gefühlt: aufgeregt; begeistert!

Das Schöne: Weder musst du von jetzt auf gleich deine Sachen packen und nach Neuseeland auswandern, noch dich auf Sinnsuche über den Jakobsweg quälen. (Kannst du beides gerne machen, aber wir wollen erstmal klein anfangen.)

Dass das auch schon bei einem Nachmittag an einem fremden Ort hervorragend klappt, war mir bislang allerdings nicht klar.

Es ist wie als Kind damals, auf Schatzsuche.
Wir wussten, irgendwo erwartet uns eine Kiste voller Münzen (Katjes Eurotaler, bessergesagt); haben eine ungefähre Anleitung anhand einer Schatzkarte dabei. Aber finden mussten wir unser Ziel von allein.
Manchmal waren wir so vertieft, dass wir unseren Schatz ganz vergessen haben, weil es so viel Anderes zu sehen gab. Wie spannend unsere Heimat sein kann!
Also lass uns wieder Kind sein!

Abschalten war noch nie so leicht!

Du bist gestresst? Eigentlich nervt dich alles?
Oder fehlt die Inspiration für ein neues Projekt?
Möglicherweise versucht sich deine Muse selbst gerade an diesem Achtsamkeitsritual und ist auf Entdeckungstour. Schließ‘ dich ihr an!

So ein Tag Heimaturlaub ist ein bisschen eine Alltagsflucht.
Raus aus dem Trott; den Routinen. Alles kann, nichts muss, wie man so schön sagt.

Und oft ist es genau das, was wir an einem stressigen Tag benötigen: Ablenkung, keine Termine, frische Luft und eine Prise Abenteuerlust.
Glaub mir, danach setzt du dich gerne und mit neuer Motivation wieder an deine liegengebliebene Arbeit. Tried & tested! 😉

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Egal, wo du lebst, ich wette, auch bei dir gibt es wunderschöne Fleckchen, die es sich lohnen, entdeckt zu werden.
Der Stadtpark oder die Wiesen um dein Dorf herum. Euer Badesee – oder der im Nachbarort, in dem du zuletzt als Kind schwimmen warst.
Die Skulpturen mitten in der Stadt, die eigentlich ganz coole Fotomotive wären… oder einfach nur das andere Sushi-Restaurant; zwei Straßen weiter als dein Stammlokal.

Möglicherweise hat der Ort, an dem du lebst, bisher kein Heimatgefühl in dir ausgelöst.
Aber vielleicht hilft dir genau dieses Achtsamkeitsritual dabei, dich mehr zuhause zu fühlen?

Achtsamkeitsritual: Tourist in der eigenen Heimat

Erzähl mal! Was bedeutet Heimat überhaupt für dich und wo ist deine
Wann warst du zuletzt Tourist in der eigenen Heimat? Was hast du entdeckt?

Kannst du dir vorstellen, dieses Achtsamkeitsritual einmal auszuprobieren?
 

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