Vom Vermissen – Lerne, mit Fernweh umzugehen

Vom Vermissen - Lerne mit Fernweh umzugehen

Vom Vermissen – Der Fernweh-Blues

Diesen Blogpost habe ich bereits Anfang Mai; während des Rückfluges von Beijing nach München angefangen.

Bisher hat es sich nicht ergeben, ihn online zu stellen. Ich war unsicher, ob ich das Thema überhaupt ansprechen soll (jaja, da schreibt sie, wie sie ihren 1. Design-Auftrag total in den Sand gesetzt hat und ziert sich dann ;)).

Nun darf er doch online, garniert mit ein paar Fotos aus Beijing. Ich lasse ansonsten alles so wie zu Anfang, weil es die Stimmung besser rüberbringt.

Vom Vermissen - Lerne, mit Fernweh umzugehen

Im Flugzeug von Beijing nach München; 17:12 h Ortszeit Beiijing:
Ursprünglich sollten andere Beiträge online gehen. Aber – das fühlte sich nicht richtig an. Manchmal ist das wohl so.

Denn: ich habe im Flugzeug viel übers Vermissen nachgedacht. Und vermisst.

Heimweh nach einem anderen Land

Als ich den Flug buchte, hielt ich den Zwischenstop in Helsinki für eine gute Idee. Ein bisschen Finnland-Luft schnuppern, kurz freuen – und weiter. Easy.

Die Realität?

Alleine der Anblick des Moomin-Stores im Flughafen Helsinki hat mir schon die Tränen in die Augen getrieben.
Da stehst du, bist gerade auf dem Weg in ein neues, unbekanntes Abenteuer – und führst ein Zwiegespräch mit Engelchen und Teufelchen:

Was kann ich machen, um einfach hierzubleiben? Soll ich einfach weglaufen?
– So ein Blödsinn! Du freust dich doch auf Peking, also hör‘ auf damit!
– … Ich könnte einfach E. anrufen, sagen, ich bin in Helsinki; komm mich holen!
– AUS!

Albern, ich weiß.

Es ist ja nicht so, als hätte ich mich nicht über meine Reise ins Land der Mitte gefreut.
Schließlich ging knapp eine Stunde später der Anschlussflug und hat das Vermissen in den Hintergrund gedrängt.

In Beijing das nächste Dilemma. Denn: ich habe Tokyo vermisst. So unheimlich vermisst.

Es tut mir so leid für Beijing, denn die Stadt hat sich mir weit positiver präsentiert als gedacht. Aber ich konnte nicht anders als ständig zu vergleichen. Tokyo. Tokyo. Tokyo.
Ich dachte, ich wäre über Japan hinweg, aber Pustekuchen…

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Etwas vermissen, das wir gar nicht kennen

Auch das geht.
Bei mir derzeit ganz oben auf der Reise-Bucketlist: Die Färöer Inseln.

Ich war noch nie dort.
Vermisse dieses Land aber bereits so sehr, als würde ich mein gesamtes Leben dort verbracht haben.
Bilder und Videos vermittelten einen solch starken ersten Eindruck, dass ich weiß: Das ist es. Natur, Klima und dieses Gefühl von Freiheit, das ich empfinde, wenn ich an diese kleinen Nord-Inseln denke, wecken Fernweh. Und Heimweh, weil ich mich nach diesem Ort sehne, der (in meiner Vorstellung) so gut zu mir passt.

Obwohl ich nicht einmal weiß, ob es mir letztlich dort gefallen wird… dieses Gefühl nach „Heimweh“ ist wie eine Ankerkette, die mich mitzieht.

Hast du auch so einen Ort?

Vom Vermissen - Lerne, mit Fernweh umzugehen

Warum vermissen wir eigentlich?

Der Duden definiert „Vermissen“ so:

Vermissen – sich mit Bedauern bewusst sein, dass jemand, etwas nicht mehr in der Nähe ist, nicht mehr zur Verfügung steht, und dies als persönlichen Mangel empfinden

Zumeist verbinden wir das Thema Vermissen mit einem geliebten Menschen. Weil wir dieser Person/diesen Personen eine gute Zeit hatten oder wir uns bei ihnen geborgen fühlten.
Das ist das Stichwort: fühlen. Gefühle. Wir verbinden starke, angenehme Gefühle mit einem Menschen oder einer Erinnerung.

Selbst ein bestimmtes Essen kann man vermissen, eine TV-Serie, die nicht mehr fortgesetzt wird oder – eben ein anderes Land.

Auch bei mir liegt dieses Verlangen nach einem anderen Land nicht primär an dem Land selbst, sondern an den Erinnerungen und Erfahrungen, die ich damit verbinde.
An der Leichtigkeit, der Abwechslung, den Menschen dort.
Besonders auf Finnland trifft das zu.

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3 hilfreiche Arten, Fernweh oder Trennungsschmerz leichter zu machen

Egal, ob wir einen geliebten Menschen vermissen (z.B. durch die räumliche Distanz einer Fernbeziehung oder nach einer wirklichen Trennung); ein Land oder unsere Lieblingsserie (Breaking Bad, anyone?!): Es gibt Wege, es leichter zu machen.

Vermisse. Lasse den Schmerz zu.

Das Wichtigste in meinen Augen: Es zulassen.
Akzeptiere, dass du gerade traurig bist und deinen Erinnerungen nachhängen willst.

Eine Freundin von mir gibt es sich beispielsweise immer zehnfach: Sie sieht sich alle Bilder an, liest alle Briefe, hört die melancholischste Musik dazu. Ihr hilft es aber, loszulassen.

Letzteres tue ich auch zu gerne – allerdings nicht, wenn ich gerade vermisse. Denn dann brauche ich Stille, um meinen Kopf freizukriegen…

Lenke dich ab; kriege deinen Kopf frei

Konzentriere dich darauf, etwas Anderes zu denken. Noch besser: gar nicht zu denken.
Das geht bei Aktivitäten, die dich so einnehmen, dass sie dich von allem Anderen ablenken.
Powere dich z.B. ausgiebig beim Sport aus oder gehe eine Runde in die Natur; spazieren.

Auch ein Buch oder ein Filme-Marathon können helfen.

Meine persönliche Erfahrung ist allerdings, dass letzteres nur kurzzeitig ablenkt – oder ich am Ende gar selbst mit „Lost in Translation“ geißele…

Schaffe neue Erinnerungen

Es vergeht kaum ein Tag, an dem ich keinen der oben genannten Orte vermisse.
Deshalb sorge ich mehr und mehr dafür, neue positive Erinnerungen und Gefühle zu schaffen.

Erstelle dir doch eine Bucketlist und arbeite die Punkte nach und nach ab.
Mache Ausflüge; probiere eine neue Sportart aus oder triff dich mit jemanden, den du schon lange nicht mehr gesehen hast.
Die Liste ist schier endlos – und das ist das Schöne!

Es kann ohnehin gut sein, dass du all diese Möglichkeiten bereits kennst.
Manches mag heute effektiv sein, morgen aber nicht.
Wenn du dich ausprobierst, wirst du mit der Zeit selbst herausfinden, was für dich am besten funktioniert.

Wichtig: Lass dich von dem Gefühl des Vermissens nicht so sehr einnehmen, dass alles andere zur Nebensache wird.
Wenn du an nichts Anderem mehr Freude empfindest, solltest du unbedingt Hilfe suchen. Mit jemandem darüber zu reden, kann schon Wunder wirken.

Vermissen tut weh. Aber es vergeht.

Vermissen ist wie Liebeskummer: Es tut weh.
Manchmal ist es ein dumpfes Pochen, manchmal fließen spontane Tränen (wie gesagt, Lost in Translation…).

Momentan ist es dieses dumpfe Nach-Reise-Gefühl.
Das, welches du nicht recht einzuordnen vermagst. Ist es nur der Jetleg? Erneutes Fernweh? Oder ist hier gerade eine neue Liebe entstanden?
Noch kann ich es nicht definieren, denn ich hänge zu sehr zwischen den Stühlen
Beijing – Finnland – Tokyo.

Aber ich weiß: Es wird wieder leichter.
Und wenn ich es gar nicht mehr aushalte, ist ein Flug schnell gebucht. 🙂

Was vermisst du gerade?
Wie lenkst du dich ab?

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