Selbstzweifel – 5 achtsame Hilfestellungen, um damit umzugehen

Selbstzweifel - 5 achtsame Hilfestellungen, um damit umzugehen

Momentan steht alles still.
So unproduktiv wie in diesen letzten Tagen war ich schon lange nicht mehr.
Dafür schwirren sie wieder in meinen Gedanken. Die Selbstzweifel.

Jeder Blick aufs Handy zeigt eine „17“, die mich vorwurfsvoll anzublicken scheint – die Erinnerungs-App nämlich, mit 17 Punkten, die erledigt werden müssen. Bessergesagt, schon erledigt hätten sein sollen.

Ich ignoriere sie geflissentlich.

Stattdessen wandert die Aufmerksamkeit wieder zu meiner Flasche Bier und Richtung TV, wo Jax und seine Sons of Anarchy gerade für eine Abstimmung zusammensitzen.
Was sollen sie tun?
Den Deal mit den Iren annehmen oder ablehnen?
Demokratie ist gefragt und jeder tut seine Meinung kund, bis der Club-Präsident seinen Hammer schwingt und die Entscheidung gefallen ist.

Wenn ich so darüber nachdenke, habe ich auch abgestimmt. Nur ich allein, für mich. Für den Weg zu einem selbstbestimmteren Leben und weg von der Alltagsroutine. Raus aus der Komfortzone.
Das Votum? Ein eindeutiges ja.
Mein Ja.
Trotzdem sind sie allgegenwärtig: Die Selbstzweifel.

Warum sitze ich hier und ärgere mich über meine eigene Untätigkeit?

Vor kurzem habe ich ein fantastisches WordPress-Theme gefunden, das genau zu meinen Freelancer-Plänen passt. Es ist nicht billig, aber einfach perfekt. Jeden Tag sehe ich es mir wieder an, stelle im Kopf um, verändere, passe an. Und freue mich.
Ich weiß, sobald ich es habe, werde ich voller Elan daran arbeiten.

Gekauft habe ich es dennoch noch nicht. Denke mir: Ich muss ja sparen, denn ich fahre bald in den Urlaub.

Wenn ich ehrlich bin, ist das aber nur eine faule Ausrede.

Warum wir uns so oft selbst belügen

Warum ich mich selbst belüge?
Warum ich mich damit nur ausbremse?

Weil ich eine Scheiß Angst habe.

Ja, das muss jetzt so „extrem“ geschrieben werden. Das beschreibt es nämlich am besten.

Ich habe eine unglaubliche, scheiß Angst, es zu tun. Es zu wagen.
Den Hammer zu schwingen und allen zu sagen, seht her, ich habe mich entschieden, das zu tun!

Diese Angst kommt nicht daher, weil ich nicht an meinen Traum glaube.
Sie existiert, weil ich nicht an mich selbst glaube.
Hallooo, Selbstzweifel!

Selbstzweifel - 5 achtsame Hilfestellungen, um damit umzugehen

The worst enemy to creativity is self doubt.
Sylvia Plath

An meinem Geburtstag erzählte ich meinen Eltern voller Freude, dass ich einen Webdesign-Auftrag an Land gezogen hatte.
Die Reaktion: „Schön, aber genug Geld zum Leben verdienst du damit ja nicht.“
Klatsch. Das tat weh.

Tut es jetzt noch, denn die Sache ist bereits 2 Wochen her und ich ärgere mich immer noch darüber.

Meine Eltern gehören noch zur Generation „Computer sind uns suspekt“. Sie nutzen sie nicht; auch keine Handys und das Internet finden sie zwar faszinierend, aber wirklich verstehen tun sie es nicht.
Deswegen erzähle ich ihnen normalerweise kaum von meinen „Internetaktivitäten“. Von meinem Hobby Webdesign, das ich beruflich machen möchte; von Grafikdesign und wie viel Freude es mir bringt. Davon, dass ich mir alle möglichen Programmiersprachen selbst beigebracht habe und wahnsinnig stolz darauf bin. Oder davon, was für ein tolles Gefühl es ist, Lob für seine Werke zu bekommen und anderen gleichzeitig etwas beizubringen.
Ich kann im Netz generell viel offener über solche Dinge reden, als in einem persönlichen Gespräch.
Wie ist das bei dir?

Durchhänger hat jeder Mal. Das kenne ich zur Genüge und du sicher auch.
Aber warum fühlt sich gerade wieder alles so falsch an?
Ich will so Vieles und bin doch nicht sicher, ob ich dem gewachsen bin.

All die positiven Gefühle, die mir meine Leidenschaften bringen, verschwinden nicht. Nie. Dennoch lasse ich mich von einem unbedachten Satz mehr herunterziehen als von zehn Lobliedern.

Selbstzweifel - 5 achtsame Hilfestellungen, um damit umzugehen

Ey, Selbstzweifel. Wir mögen euch nicht!

Diese Zweifel. Mal sind sie mehr, mal weniger stark.

Auf Facebook habe ich gefragt: „Wie motivierst du dich, wenn die Deadline winkt?“
Die Antworten? Eindeutig: „Ich zwinge mich dazu.“

5 Hilfestellungen gegen Selbstzweifel
Wie „sich zwingen“ leichter fällt:

1. Halte dir dein Ziel vor Augen!

Immer und immer wieder!
Warum tust du, was du tust?
Warum schreibst du?
Bastelst du?
Zockst du?
Gärtnerst?
Fährst Rad?
Warum lernst du russisch?

Mein vorrangiges Ziel ist es, mich beruflich zu verändern. Deshalb gibt es diesen Blog – als Motivationsboost – und deshalb designe ich, schreibe ich, bilde mich weiter.
Um mein Ziel zu erreichen.

Warum tust du das, was du liebst?
Weil du es liebst! Weil es dir Freude bringt, dich ablenkt oder du auf eine berufliche Zukunft hinarbeitest.
Das ist es, was du dir immer wieder vor Augen führen musst. Nicht umsonst hast du damit angefangen und deine Zeit darin investiert.

2. Lege dir eine Routine zu!

Routinen werden oft als langweilig; zu wenig spontan ausgelegt. Dabei sind sie – vorallem in Sachen Produktivität – unheimlich wichtig.
Denn im Optimalfall hast du deinen Ablauf schon so fest verinnerlicht, das du dich nicht mehr zwingen musst. Du tust es einfach.
Wenn die Selbstzweifel wiedereinmal an der Tür klingeln, lässt du sie einfach draußen stehen. Es ist 18 Uhr, du hast gerade zu Abend gegessen und jetzt sind zwei Stunden rein fürs ________ geblockt. Setze hier die Tätigkeit ein, die du möchtest. 🙂
Störnungen? Jetzt nicht.
Die Zweifel werden sturmklingeln, ja. Aber irgendwann geben sie auf und verschwinden.

Ich fange gerade erst damit an, mir feste Zeiten für gewisse Tätigkeiten einzubauen und ich gebe zu, es fällt mir schwer.
Klein anfangen lautet das Zauberwort.
Ich handhabe meine Planung derzeit beispielsweise so:
Sonntags und Montags schreibe ich Blogposts für Zentreasures und bereite Instagram-Posts über Latergrame vor.
Der Dienstag ist für meine Website Treasure-Chest reserviert.

Feste Uhrzeiten klappen noch nicht, aber besser feste Tage, als gar keine Routine.

3. Belohne dich!

Hast du sicher schon gelesen. Einen leicht umzusetzenden, effektiven Motivations-Boost kannst du dir verschaffen, indem du dich immer mal wieder belohnst. Wenn du eine Aufgabe erledigt hast. 😉
Oft helfen schon Kleinigkeiten, die Motivation zu pushen: Eine Folge deiner Lieblingsserie, ein Stück dieses genialen Blueberry-Cheesecake aus deinem Lieblings-Café oder ein inspirierendes Buch.
Es geht nicht um den Wert, sondern um Wertschätzung. Für dich, für das, was du geleistet hast. Okay, wenn du einen richtig großen Brocken geschafft hast – warum nicht dann die Chloe-Tasche, um die du schon seit Monaten herumschleichst?
Alles, was sich gut anfühlt und dich antreibt, gilt.
Aber immer unter der Voraussetzung: Belohnt wird erst, wenn du erledigt hast, was du dir vorgenommen hast.

Mein Problem an dieser Variante: Oft steigerte ich mich so sehr hinein – „Ohhh, was schenke ich mir denn dafür Schönes, mal googeln… 2 Std später, ach, jetzt hab ich keine Lust mehr“ – dass ich die eigentliche Arbeit nur noch mehr vernachlässigte. Vollkommen kontraproduktiv also.

Um das zu vermeiden, habe ich einen Tipp für dich: Wunschlisten!
Ich habe mir einen Amazon-Wunschzettel namens „Belohnungen“ angelegt.
Wie das funktioniert: Einloggen -> Mein Konto -> Wunschzettel -> Eine Liste erstellen

Geht supereinfach und schon kannst du die Liste mit Produkten von Amazon befüllen (oder URLs zu anderen Webseiten hinterlegen).
Es muss natürlich nicht Amazon sein (ich denke, wir wissen alle, wie problematisch dieser Anbieter ist). Die Wunschzettel-Funktion gibt es inzwischen in vielen Shops: Von Asos über ebay bis hin zu EMP. Also Liste anlegen, ein paar Produkte darauf packen und dann ran an die To-Do-Liste!

Wenn du unschlüssig bist – probier es einfach aus!

Womit hast du dich zuletzt für eine geschaffte Aufgabe belohnt? Schreib es mir in die Kommentare.

4. Tausche dich mit Anderen aus!

… besser noch: Tausche dich mit Gleichgesinnten aus. Menschen, die dein Hobby/deinen Berufsweg/deine Leidenschaft teilen.

Da gibt es diese Person, die du bewunderst? Schicke ihr doch eine E-Mail! Formuliere aus, was dir gefällt und wie sie dir weitergeholfen hat.
Schreibe einen Kommentar auf einem Blog, den du gerne liest. Hinterlasse ein Kompliment!
Teile einen Facebook-Post, der dich anspricht und auf für deine Besucher Mehrwert hat. Like nicht nur, sondern kommentiere! Egal auf welcher Social Media Plattform – jeder freut sich über eine Nachricht!
Klinke dich in eine Konversation auf Twitter ein, zu der du etwas zu sagen hast. Noch besser: Finde jemanden, der ein Problem hat. Wenn du die Lösung dafür hast, schreibe es ihr/ihm!

Du siehst, die Möglichkeiten sind unendlich.

Und glaube mir: Jeder freut sich darüber! Du, weil du vielleicht endlich diese E-Mail, die du dich nie abzuschicken getraut hast und die Person hinter dem anderen Bildschirm wird dir dankbar sein.
Denke daran: Vielleicht hatte sie ebenfalls mit Selbstzweifeln zu kämpfen und deine Nachricht kam gerade zum richtigen Zeitpunkt.

Ich habe da zum Beispiel ein paar Bloggerinnen, denen ich schon ewig schreiben wollte. Einfach nur „danke“ für ihre Arbeit sagen und dass sie mich inspirieren, motivieren, aufheitern.
Die E-Mails sind sogar schon fertig formuliert und liegen seit Wochen in meiner Notiz-App.
… Da liegen sie immer noch. Es wird Zeit, sie abzuschicken!

5. Und wenn gar nichts hilft: Aufgeschoben ist nicht aufgehoben.

Die Zweifel sind immer noch da; im Gegensatz zur Motivation?
Dann lass es für heute gut sein. Mach den PC aus, leg das Handy weg und ab auf die Couch. Leihe dir den Film aus, den du schon lange einmal sehen wolltest. (Ich kann „Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“ nur wärmstens empfehlen! Die Chancen stehen hoch, dass du danach höchst inspiriert bist!)

Oder – geh nach draußen, eine Runde spazieren. Sicher hast du das schon oft gehört, aber die Effekte sind nicht von der Hand zu weisen: Du bekommst frische Luft, bist abgelenkt und dein Hirn wird so richtig durchgepustet.

Kümmere dich regelmäßig um dich selbst und nicht um deine To-Do-Liste.

Wie oft habe ich mich maßlos darüber geärgert, wenn ich die dritte Folge Sons of Anarchy gestartet habe, anstatt endlich an den PC zu gehen und zu schreiben. Schluss damit. Außer, deine eigene, schon miese Stimmung noch weiter zu verschlechtern, erreichst du damit gar nichts.
Aufschieberitis ist in solchen Situationen erlaubt.
Wichtig: Übertreibe es nicht. (Dazu habe ich hier auch schon geschrieben.)

Es ist okay, wen du ab und zu zweifelst.

Letztlich denke ich, dass es ganz normal ist, hin und wieder mit Selbstzweifeln zu kämpfen.
Dass man sich auch zu Dingen, die man eigentlich gerne macht, zwingen muss.

Einen wirklich schönen Blogpost hat Suzanne dazu geschrieben. Sie beweist, dass sich der Nebel aus Selbstzweifeln und „Wie soll es nur weitergehen?“ irgendwann wieder lichtet – egal, wie undurchdringlich er zuerst scheint. Lies ihren Post hier.

Sobald man angefangen hat, läuft es meist von selbst und genau das ist es, was wir uns mehr vor Augen halten müssen. Dann sind die Zweifel meist vergessen.

… Und wenn nicht, dann hast du jetzt ein paar Möglichkeiten an der Hand, um deine Selbstzweifel zu bekämpfen!

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Kämpfst du auch ab und zu mit Selbstzweifeln? Wie gehst damit um?
Zwingst du dich, deine Arbeiten zu erledigen oder motivierst du dich anders?
Schreib mir gerne deine Gedanken dazu!

Ich werde jetzt jedenfalls meine offenen Baustellen abschließen (sprich, E-Mails abschicken und endlich dieses Theme kaufen!) und damit meinen Selbstzweifeln und meiner Motivation hoffentlich gehörig in den Hintern treten.

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